Ein artfest mit Schwerpunkt Metallbearbeitung: das war mein Besuch bei Kerstin in Potsdam. Von Donnerstag bis Sonntag konnten wir uns bei idealem Bastelwetter der Schmuckherstellung widmen. Erstmal hab ich mit offenem Mund vor ihren Häuser-Ketten gesessen – die sind so schön. Und sehr, sehr inspirierend. Noch am Donnerstag morgen haben wir es geschafft, das Knittersche Wohnzimmer in eine heimelige Schmiede zu verwandeln. Ich hab zum ersten und nicht zum letzten Mal mit Resin gearbeitet (auch mit eingerührten Pigmenten in gelb und grün – siehe Fotos), hab die Vorteile von Lötpaste kennengelernt und mich aus Kerstins Perlen- und Materialfundus bedient. Hasenkopf. Stickles. Bayrisches Rautenmuster-Papier. Bampop-Roboter (siehe Fotos). Hab festgestellt, das ich wohl mal ein Abo von Somerset Studio (ist ja unfassbar, was diese Firma alles an Zeitschriften rausbringt!) brauche; hab dabei zugesehen, wie es die Narrenhände anstellen, dass ihre Werke dieses Finish bekommen, was sie wirken läßt, wie “guck mal, das hab ich beim Graben im Garten gefunden” und habs einfach genossen, mit viel Zeit vor mich hin zu basteln und dabei immer wieder die Möglichkeit zu haben, Erfahrungen auszutauschen und zu gucken, wie Kerstin an ihre Projekte herangeht. Es ist tatsächlich, trotz gelegentlich schmerzender Finger, sehr befriedigend, nicht nur die Anhänger, sondern auch die Ketten komplett selber zu machen: Kettenglieder schneiden, hämmern, biegen, patinieren, dabei Sekt und Kaffee trinken. Faszinierend ist es, zu sehen, wie sich unter den eigenen Händen ein schnödes Stück Blech und etwas glänzender, versilberter Kupferdraht in etwas total anderes verwandelt. Das klingt alles sehr klasse und war noch viel besser… Danke liebe Kerstin für diese entspannten und bereichernden Tage! Noch nicht alles ist fertig, aber ein paar Anhänger kann ich schon mal zeigen:
Bin aus’m Urlaub zurück, und wenn es so weiterregnet, hab ich auch Muße, mich einer Fotovorauswahl für’s Reisejournal zu widmen. Vor ein paar Tagen hab ich einen Bernsteinhänger gemacht, passend zum mit Bernstein versehenen Ring. Den Ring hab ich ja schon leer gezeigt. Jetzt habe ich ein Stückchen Bernstein passend gefeilt und in die Fassung geklebt. Gefällt mir sehr, und ich Schmuckmuffel mutiere gerade zur Ringträgerin. Darum habe ich nun noch einen zweiten geschmiedet. Mmh – geschmiedet, das klingt so martialisch, aber eigentlich stimmt es, denn Feuer und rohe Kräfte waren durchaus am Werk. Die geätzte Platte mit dem Spruch liegt schon eine Weile herum und auf dem Ring macht sie sich ganz gut, finde ich. Man beachte auch die schönen rundgeschliffenen Tonscherben, die auf der Fensterbank dekorativ herumliegen. Ich hab sie am Strand von Ischia gefunden, dort gibt es diese Teile zuhauf!
Hab neulich eine Platte Neusilber gekauft, mittelhart, 1mm dick. Neusilber besteht aus Kupfer, Nickel und Zink und wird auch für Schmuckherstellung verwendet, weil es Silber relativ ähnlich sieht, aber doch erheblich günstiger ist. Mehr bei Wikipedia. Das Material ist mit seinen 1 mm Dicke schon echt etwas sperriger in der Bearbeitung, aber sieht soviel solider und weniger läppsch aus. Neusilber lässt sich übrigens auch ganz passabel mit Eisen3Chlorid auch ätzen und vor allem wunderbar glänzend polieren (ich müßte mir noch etwas feineres Polierzeug besorgen, aber das geht schon mit meinen Mitteln ziemlich gut).
Hier also Werk 1 und 2 mit diesem Material: ein Anhänger mit reingeätzem Mauszeiger – für mich könnte man kaum ein typischeres Symbol finden . Der Anhänger hat auf der Rückseite zwei aufgelötete Röhrchen, wo man die Kette durchfädeln kann, so dass sich der Anhänger mit dem Pfeil nach oben oder unten tragen lässt, ganz nach belieben.
Dann noch ein Ring, in den schwach sichtbar Buchstaben eingeätzt sind und mittig drauf ist eine Fassung aufgelötet, in die noch was hinein soll. Wenn ich ihn wiederfinde, dann Bernstein. Ansonsten – mal überlegen.
Vorgestern habe ich Qntal live gesehen. Hier zwei der vielen genialen Sachen:
Oscar Wildes Erkenntnis: “Das wahre Geheimnis der Welt liegt im Sichtbaren, nicht im Unsichtbaren” ziert jetzt diesen Anhänger. Die Schrift ist geätzt und das Kupferblech mit weißer Acrylfarbe auf schwarzen Tonerresten patiniert. Ein aufgelöteter Rahmen auf der Rückseite sorgt für etwas Tiefe, bzw. dafür, dass der Anhänger nicht direkt auf dem Dekolleté aufliegt, sondern etwas darüber schwebt. Die Perlen sind von einem Chinastand in Triest – siehe Foto unten. Jeden der auf dem ziemlich langen Tisch liegenden 12 Trillionen Perlenstränge (im Grunde eine Kette ohne Verschluß) gabs für 1 Euro. Hab’ aber nicht alle mitgenommen.
Macht ziemlich Spaß, das Draht biegen, löten und schwärzen. Einen Textanhänger von hier habe ich noch mal komplett überarbeitet, weiße Acrylfarbe in die geätzte Vertiefung getan, den Rest abgerieben (so gut es ging), einen Silberdraht drumherum gelötet und jetzt sieht er noch “fertiger” im Sinne von “bin ich fertig” (nicht “ich bin fertig!”) aus. Ein Anhänger mit Fassung habe ich noch in Arbeit. Ich könnte /müßte mal nur Gips zum Füllen der Fassung nehmen. Denn das DG3 Gel (Resin für Arme) funzt leider nur bedingt – es wird nicht so fest, wie es sinnvoll wäre. Mmh, komm ich wohl um die Anschaffung von Gießharz nicht herum, demnächst.
Ein blöd gelaufenes Update hatte nicht mehr funktionierende Bilder-Links hier auf der Webseite zur Folge... Die Reparatur der Misere ist ein großer Haufen langweiliger Arbeit! Derzeit falsch verlinkt sind die Beiträge vom 1. März 2007 bis zum 12. Juni 2008. Ich arbeite immer wieder daran. Habt Geduld.
Danyeela, 15. Februar 2009