Hemd, wieder tragbar

2. Mai 2011

Dieses Hemd hab ich mal in einem Second-Hand-Laden gekauft. Das Muster fand ich ganz schön, aber angezogen hab ich es dann ehrlich gesagt nur sehr selten. Es ist recht dünn und mit den langen Armen und dem schwabbeligen Kragen hat es mir dann doch nicht gefallen – zu labbrig, zu konturlos, zu langarmig… Weil ich grad am Aussortieren bin, fiel es mir in die Hände und ich dachte, statt es wegzugeben, könnte ich doch mal versuchen, es irgendwie wieder tragbar zu machen – angeregt von Lucys Aktion „Neues Leben für alte Kleider„. Ich hab die Ärmel abgeschnitten und mit einem blauen Jersey-Streifen eingefasst. Dann hab ich den Kragen oben modifiziert: Krägen bestehen ja meistens aus zwei Teilen (dank des Kragen-Schals weiß ich da jetzt Bescheid). Den unteren Teil des Kragens, der Steg (heißt der so?) hab ich aufgetrennt und den Kragenteil, der dort eingenäht ist, herausgenommen. Dann einfach den Steg wieder zugenäht. Ich bin fasziniert, dass das ganze nun aussieht, wie ein asiatisch angehauchter Stehkragen. Das wars auch schon. Habs schon angehabt – trägt sich gut. Suschna hat gerade alte Fotos von Damen mit Stehkragen und Colliers gepostet. Der Kragen ist im Grunde diesen alten Modellen recht ähnlich. Vermutlich waren Hemdkragen, wie Damenblusen sie heute meistens haben (die denen bei Herrenhemden entsprechen), seinerzeit (vor 1. WK) noch nicht Usus.

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4 responses to Hemd, wieder tragbar

  1. Super gemacht! Das sieht ganz toll aus. Nicht so trutschig wie die ursprüngliche Bluse. Ach, ich sollte mich auch viel öfter trauen, mal was zu probieren!

  2. Stimmt, passt, ist viel besser so. Der blaue Streifen am Ärmel gibt der Bluse die nötige Kontur, und der Stehkragen passt gut zum asiatisch angehauchten Stoff. Manchmal ist es verblüffend, wie viel ganz kleine Veränderungen ausmachen können.

  3. Haha, 70er-Jahre-Kragen haben wir in den 80ern auch immer amputiert, um wenigstens in Ansätzen up to date zu sein. Oder an Papas ausrangierten Herrenhemden Hand angelegt. An die Ärmel haben wir uns allerding nich getraut. Mich erinnert diese Recycling-Schiene ja sowieso ganz dolle an meine Teenagerzeit – Not macht erfinderisch. Da weder die Not noch die Schneiderqualitäten bei mir offensichtlich nich groß genug sind, beobachte ich solche wundersamen Verwandlungstricks dann auch lieber bei Dir und anderen. Schön!

  4. Ja, das sieht plötzlich asiatisch aus, verrückt. Mit ein paar Handgriffen (die dann ja doch schon auch Arbeit machen) ein Teil gerettet.
    Wegen der hochgeschlossenen Mode habe ich bisher nur soviel gefunden: In der Zeit um die Jahrhundertwende hatte es natürlich auch etwas mit Bürgerlichkeit und Anstand zu tun, kein Dekoltee zu zeigen. Aber weiter bin ich noch nicht.