Ich hab mal ein bisschen mitfotografiert beim Herstellen eines Buchumschlages. Das dazugehörige Buch ist noch nicht fertig (noch nicht mal angefangen, um genau zu sein). Aber heute geht es um den Umschlag und (fast) alles, was ich mir dazu gedacht habe. Ich wollte wieder ein Buch mit “alter” Optik. Dazu gehören falsche Bünde, deren Basis diesmal nicht Schnur oder Pappe sondern aus dicken, schmal geschnittenen Lederstreifen, die ich beim Lederdealer meines Vertrauens in der Restekiste gefunden hatte.
Bild eins zeigt die drei Pappen: zwei dickere für vorne und hinten und eine dünnere für den Buchrücken. Bei der dünneren Pappe habe ich darauf geachtet, dass sie sich in die Richtung biegen läßt, die es erleichtert, den Rücken etwas rund zu biegen. In Längsrichtung, statt in Querrichtung also. Auf den Rücken habe ich die Lederstreifen für die falschen Bünde aufgelegt und später dann mit Planatol Elasta (den ich so gut wie immer verwende) festgeklebt.
Hier sieht man dann, dass ich den Rücken und die beiden Seitenteile mit dünner Luftpolsterfolie beklebt habe (sowas finde ich in meiner Zubehör-Schublade). Diese dünne Material sorgt für etwas Polsterung – der Umschlag wirkt plastischer und fasst sich schöner an, denn das Leder, was später aufgeklebt wird, ist sehr dünn.
Die Vorderseite des Umschlags habe ich mit einer einfachen Verzierung versehen. Ich stellte mir vor, dass diese Vertiefungen auf der Oberfläche mit Leder bezogen später gut aussehen würden. Besonders akkurat geschnitten hab ich das nicht, denn ich dachte, dass ich den Umschlag später noch richtig durch die Mangel drehen würde.
Kleiner Exkurs: Welches Leder nehme ich? Das grüne ist wunderbar dünn, das weinrote etwas fester. Sieht man auf dem Foto am “Knickverhalten”. Auf jedenfall wollte ich ein weißes/helles Buch (so eine Bibliothek…) in der und dazu das Leder weiß anmalen, das hab ich ja schon öfter gemacht. Allerdings wollte ich nicht das spätere Buch anmalen, sondern das Leder vor der Verarbeitung. Gut, dass ich ein Probestück angemalt habe (zwei genauer gesagt – beide Ledersorten).
Gesso und weiße Acrylfarbe aufgepinselt…
… und ziemlich erschrocken: das Leder verhält sich “unschön”, bekommt eine papierähnliche Struktur. Nicht gut.
Also entschieden, doch direkt das grüne Leder zu verkleben. EIn Papierstreifen fixiert die beiden Seitenteile und den Rücken. Zwischen den drei Teilen lasse ich 4-5mm Platz.
Planatol aufpinseln und dann rasch alles andrücken. Darum gibt hier nicht mehr Fotos…
So, fertig. Etwas Zeit beansprucht das Herausarbeiten der Bünde. Dazu habe ich mit dem Zeigefinger das Leder gut an jeden Bund angerieben. Das Leder gibt etwas nach und hat sich schließlich wirklich gut um die weichen Bünde geschmiegt :-) Die Luftpolsterfolie fühlt und hört man überhaupt nicht mehr.
Auch die Vorderseite ist so geworden, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das Leder hat sich gut in die Vertiefungen eingefügt. Jetzt ist die Frage: lass ich es so, oder male ich doch wieder mit weißer (und/oder schwarzer Farbe) darauf herum? Die rautenförmige Intarsie möchte ich vielleicht noch füllen, z.B. mit einem Metallornament?
“Durch die Mangel drehen”, wie dieses Werk hier, werd ich den Umschlag so wie es im Moment aussieht, wohl doch nicht. Oder doch? Wer weiß…



Das sieht ja wirklich sehr vielversprechend aus. Nun bin ich mal gespannt auf weitere künstliche Alterungsprozesse. Die unschöne papier- bzw. plastikartige Oberfläche macht glaube ich das Gesso, nicht die Acrylfarbe. Ich hatte mir damit einen Versuch versaut, Papier stoffähnlich zu machen. Alles lief gut, bis zum Gesso.
Ja, das stimmt. Gesso verhält sich tatsächlich anders. Ich werde an kleinen Probestückchen noch mal ein herumprobieren, welche Farbe noch denkbar wäre. Schwierig, der Umschlag gefällt mir eigentlich ganz gut so. Das blockiert viel mehr, als wenn man mit einem “egal, schlimmer wirds nicht” an etwas herangeht.
Wow, super gut umgesetzt und tolle Anleitung mit den vielen Bildern. Danke!