Zugeschaut und mitgebaut, Teil 2
Ich freu mich, dass doch so einige (für meine Verhältnisse viele) mitmachen! Weiter gehts mit unserem Buch, von dem wir (wenn wir unsere Hausaufgaben gemacht haben) nun immerhin schon wissen, wie es heißen soll. Ideen zur Covergestaltung, das ist Thema des heutigen Eintrags. Wer erst heute mitliest, beginnt am besten bei Teil 1.
Wie soll das Buch gestaltet werden? Es spricht nichts dagegen, “aus dem Bauch heraus” ein Cover zu gestalten und dann zu überlegen, was da wohl draufstehen könnte. So mach ich das gelegentlich auch. Diesmal aber möchte ich Titel und Gestaltung aufeinander abstimmen. Das heißt: erst brauche ich einen Titel, dann sammele ich Ideen zur grafischen Gestaltung des Covers.
Ich habe mich aus der Liste der “fictional books” der Harry-Potter-Bücher für folgenden Titel entschieden: “Dragon breeding for pleasure and profit” – im Deutschen übersetzt mit “Drachenzucht für Haus und Hof” – mmmh, gut die Alliteration ist drin, aber die englische Variante gefällt mir besser.
Mit der Wahl dieses Titels habe ich es mir leicht gemacht, denn immerhin habe ich jetzt schon mal eine Sache klar: Es muss mindestens ein Drache auf dem Cover zu sehen sein! Wo bekomme ich den her? Ich könnte ihn selber malen. Dann besteht allerdings die Gefahr, das ich den Untertitel “für Kindergartenkinder” hinzufügen müßte. Nein, das Buch sollte schon von der Gestaltung einen “historischen” Anstrich haben. Kein authentischer Lederfoliant, aber doch eben mit “seriösen” Motiven. Alternativ könnte ich mir auch ein Buch mit dem Charakter eines neuzeitlicheren Lehrbuchs vorstellen. Ich hatte neulich ein Buch über Bienenzucht in der Hand, aus den 1970er Jahren. Sowas in der Art wäre auch glaubwürdig. Soweit meine ersten Gedanken dazu. Ob es nachher wirklich so aussehen wird? Oder ob mir während der Umsetzung noch andere, bessere Ideen kommen? Auszuschließen ist das nicht. Aber irgendwie muß ich ja anfangen!
Wo bekomme ich nun das Drachenbild her? Meine erste Idee bringt auch gleich einen Treffer. Eine ausgezeichnete Quelle für frei verwendbare historische Bilder ist www.fromoldbooks.org, ein Archiv mit eingescannten Seiten aus alten Büchern. Dort lasse ich mir alle Bilder mit den Schlagworten “dragon” oder “mythical creatures” anzeigen. Klickt man auf die Detailansicht eines Bildes, erscheint rechts oben eine Auswahl verschiedener Bildgrößen, in denen man das Bild herunterladen kann – das größte davon lade ich herunter. Ich entscheide mich für dieses Wappen mit Drachenkopf.
Weitere Möglichkeiten zur Drachensuche: das allwissende Google – Dragons in die Bildersuche eingegeben, bringt Drachen ohne Ende zum Vorschein oder guckt mal bei www.dafont.com bei den Dingbats (das sind Zeichensätze nur mit Symbolen). Dort gibt es die Rubrik “Fantastic” und in der sind auch einige Drachen versammelt.
In Photoshop lege ich mir eine Datei in der Größe meines Covers an. Von dem heruntergeladenen Bild nehme ich nur den Drachenkopf und füge ihn in die Coverentwurfs-Datei ein. Dann beginnt das, was ich besonders gerne mag: der Prozess des Entwerfens verschiedener Möglichkeiten. Ich spiele mit dem Drachenkopf und verschiedenen Schriften herum. Die ersten Ergebnisse habe ich hier als Galerie eingefügt:
Bei den verwendeten Schriften handelt es sich um
- Frakturika spamless: Fraktur, aber auch modern wegen des “Grunge-Faktors” (von hier)
- Helvetiva: sehr sachtlich, sehr schulbuchmäßig (hat wohl jeder auf dem Rechner)
- Blackmoor LET: ja, könnte gehen (gibts mittlerweile wohl nicht mehr kostenlos, aber z.B. hier)
- Lucida Blackletter: auch sehr schön (gibts mittlerweile wohl nicht mehr kostenlos, aber z.B. hier)
Hier bei Dafont gibts sehr viele Schriften in diesem Frakturstil / mittelalterlich angehaucht und ich finde, das passt ganz gut zu den Drachen. Auch hier bei Moorstation gibt es eine Sammlung mit derartigen Schriften. Aber ganz ehrlich: mir gefällt auch die Helvetiva in ihrer Sachlichkeit sehr gut!
Ich habe dann eine Nacht drüber geschlafen und mir am nächsten Tag die Entwürfe nochmal angeguckt. Logisch, ich war noch nicht richtig zufrieden und es sind drei weitere Möglichkeiten entstanden.
- Schrift “Jane Austen” von www.dafont.com, Drache: Buchstabe “d” im Font “Mediaeval Bats“, auch von dafont
- Schrift Bleeding Cowboys (ja, auch von dafont – die haben echt alles). Hier gefällt mir, dass die Schlingel so ein bischen wie Drachenschwänze aussehen.
- Helvetiva – sehr schulbuchmäßig, finde ich
Wozu baue ich das ganze in Photoshop vor?
Naja, “vorbauen” ist eigentlich das falsche Wort. Es muß und es wird nämlich nachher gar nicht so aussehen. Aber diese Entwürfe in Photoshop helfen mir, mich mit dem Thema und seinen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Bei dem ein oder anderen Entwürf bekomme ich gleich eine Idee, wie ihn “auf die Pappe” bringen könnte.
Ich genieße es, Zeit zu haben und so ein Projekt gedanklich eine Weile mit mir herumzutragen. So sehr ich auch spontanes Scrappen mag – genauso schön ist es ab und zu, mit einer Idee etwas länger schwanger zu gehen und sich überraschen zu lassen, was einem auch Tage später noch dazu einfällt. So braucht man nicht krampfhaft nach Ideen zu suchen, sondern kann es sich gestatten, den Ideen einfach ihre Ruhe zu geben, denn sie entscheiden sowieso selbst, wann sie sich zeigen.
Technische Überlegungen zur Umsetzung, die ich bisher habe – umgesetzt habe ich davon noch nichts.
- Ein Image-Transfer. Der Coverentwurf wird mit dem Laserdrucker ausgedruckt und mit Nitroverdünnung auf die grundierte Pappe übertragen. Der Transfer geht so: die Kopie mit der bedruckten Seite auf die weiße Pappe legen, Nitro auf ein Tuch geben und drüberreiben. Vorsichtig anheben und gucken, wie’s aussieht – ggf. mit etwas mehr Nitro auf dem Lappen weiterreiben. NICHT VERGESSEN: der Ausdruck muß spiegelverkehrt sein damit der Transfer richtig herum erscheint!
- Den Titel aus Klebebuchstaben (z.B. moma von American Crafts) aufkleben. Dunkel drübermalen, trocknen lassen und die Klebebuchstaben wieder abziehen.
- Den Drachen möglichst genau ausschneiden und aufkleben.
- Den Titel stempeln
- Den Titel und den Drachen selber schreiben/zeichnen… (mmmh, hatte ich nicht oben was von Kindergarten geschrieben?)
So, mit diesen Überlegungen endet Teil 2. Teil 3 bringt auf jeden Fall Farbe ins Spiel, versprochen!
Darf ich euch noch um Feedback bitten? Wie findet ihr diese Art von Kurs? Schreib ich zuviel? Bringt euch das was, diese Darstellung meiner Vorgehensweise? Wenn ihr Fragen habt, dann fragt! Und wenn ihr mitteilen wollt, welche Ideen ihr habt – gerne!



8 Comments, Comment or Ping
Kim Sonksen
Also, das ist 100% Klasse wie Du diesen Workshop aufgebaut hast. Die Info ist toll und fuer mich persoenlich nicht zuviel und auch nicht zuwenig.
ich freue mich schon auf den naechtsten Teil
Okt 16th, 2008
cynthia
hach, einfach genial!
meine finger waren definitiv weiß, selbst die hand, in der ich den pinsel hielt, hatte weiße spuren.
leider gibt es so viele titel für mein buch, daß ich mich noch nicht entscheiden konnte. aber ich werde mir mal den tag über gedanken machen und mich dann auf die suche begeben.
danke für deine vielen tipps!!
Okt 16th, 2008
buechertiger
Auch wenn ich nicht mitmache, lese ich diese Anleitungen mit großem Interesse und Vergnügen.
Besonders habe ich mit heute über die Randbemerkung gefreut, in der du erklärst, wie du einen Laserausdruck auf ein anderes Papier überträgst (also bitte nicht weniger ausfühlich werden, das sind doch gerade die besonderen Schätze
). Das ist wohl das, was im englischen Sprachraum immer “solvent transfer” heißt?
Ich bin erfreut, dass das so einfach ist! Ich dachte immer, dass man das Papier anschließend nochmal heiß machen muss, oder so. Ich schließe mich Cynthia an: Vielen Dank für die vielen Tipps!
Okt 16th, 2008
kerstin
Ja, mach nur weiter so. Ich amüsier mich gut und schmeiß nach jedem Absatz meine ursprüngliche Idee über den Haufen. Aber auch das is gut so. So muss das sein. Außerdem gefällt mir die Tageszeit des Postings – so hab ich hier ein wenig Ablenkung.
Okt 16th, 2008
Rena
Hach – da geht es schon los.. Ich habe keinen Laserdrucker und kein Photoshop auf dem PC. Mein PC ist so knallevoll , daß er kein einziges Programm mehr verkraften kann. Und mein Arbeitsspeicher ist nicht mehr der Rede wert. Ich werd mir wohl endlich nächste Woche eine neue Kiste kaufen, Photoshop liegt nämlich schon hier.
Aber du hast diese Vorgangsweise ja auch nur als eine Möglichkeit vorgestellt, werd ich halt ein paar Umwege nehmen, so mit ohne alles !
Okt 16th, 2008
Lena
ich find deine Idee total genial.. deine Ausführungen sind super verständlich und auch wenn es sehr viel Text ist, macht das gar nichts, da man mit Spannung alles schnell durchgelesen hat
Freu mich schon auf Teil 3
Okt 16th, 2008
Toujours-Moi
Gar nicht zuviel Text. Ich amüsier mich über Deine Ausführungen sehr und freu mich schon auf das Nacharbeiten. Meine ganzen Notizen füllen aber schon einige Blätter!
Okt 20th, 2008
Schultze Tanja
Fleißige Nachleserin überfliegt sehr belustigt deine Zeilen und erfreut sich an der äußerst ausführlichen Beschreibung!
wobei es hier schon an Photoshop scheitert, aber wie Rena bereits so schön sagte “werd ich halt ein paar Umwege nehmen, so mit ohne alles!”
Okt 26th, 2008
Reply to “Zugeschaut und mitgebaut, Teil 2”